Übergang von der Familie in den Kindergarten (Eingewöhnung)

"Was wir heute tun, entscheidet darüber, wie die Welt morgen aussieht". Maria von Eber-Eschenbach

Häufig ist es das erste Mal, dass sich ein Kind von seiner Familie jeden Tag für einige Stunden löst und einen neuen Erfahrungsraum erobert. Krippenkinder haben eine solche Herausforderung bereits einmal bewältigt. Die Zeit des Übergangs von der Familie in den Kindergarten oder von der Krippe in den Kindergarten erfordert eine professionelle Eingewöhnung. Wir gestalten die sensible Zeit der Eingewöhnung nach dem Berliner Eingewöhnungsmodell, welches auf den Erkenntnissen der Bindungs- und Hirnforschung basiert. Es geht davon aus, dass die Begleitung des Kindes durch die Eltern oder andere wichtige Bezugspersonen in der ersten Zeit Voraussetzung dafür ist, dass es eine sichere Bindung zu einer ihm bis dahin unbekannten Betreuungsperson aufbauen kann. Folgerdermaßen begleiten wir Eltern und Kind durch den Eingewöhungsprozess:

Gespräche im Aufnahmverfahren: Nach der Platzzusage nimmt die Gruppenleiterin Kontakt mit den Erziehungsberechtigten auf. Ein wechselseitiger Informations -und Erfahrungsaustausch über Bedürfnisse und bisherige Entwicklung des Kindes klärt erste Fragen in einem persönlichen Aufnahmegespräch.

Informationselternabend: Im Sommer laden wir alle Eltern zu einem Informationselternabend ein. Wir stellen unser Team vor, beschreiben den Tagesablauf im Kindergarten und geben Tipps zur Erleichterung der Eingewöhnung. Die Eltern bekommen von uns für ihr Kind eine Kindergartentüte, die es am 1. Kindergartentag im Morgenkreis auspacken kann. Eine A-Z Infobroschüre zum Mitnehmen ermöglicht den Eltern, Wichtiges jederzeit nachlesen zu können.

Schnuppertage: Probebesuche vor Eintritt in den Kindergarten helfen dem Kind und seinen Eltern unseren Alltag kennen zu lernen. Sie geben dem Kind Sicherheit und der Familie Gelegenheit, zu Hause auf die Eindrücke des Kindes zu reagieren.

Kindergartenstart: Am ersten Kindergartentag kommt das Kind in Begleitung seiner Eltern 1-2 Stunden in den Kindergarten. Das Kind wird im Morgenkreis seiner Stammgruppe mit einem Lied begrüßt und packt seine Kindergartentüte aus. Die Mutter bzw. der Vater sollten ihr Kind aufmerksam beobachten und signalisieren, dass sie als "sicherer Hafen" zur Verfügung stehen. Gleichzeitig sollte sich der begleitende Elternteil aber möglichst passiv verhalten, um dem Kind Gelegenheit zur Kontaktaufnahme mit der Erzieherin und den Kindern zu geben. Nach Ablauf der zwei Stunden gehen Kind und Eltern nach Hause. Ab dem 2. Tag bleibt das Kind bis nach dem Mittagsessen, bei dem die Eltern anwesend sind. Wenn alles entspannt verläuft kann ab dem 3. Tag ein erster Trennungsversuch durchgeführt werden. Die Eltern sollten sich möglichst im Haus aufhalten, um im Bedarfsfall das Kind zu beruhigen. Unter der Beobachtung der Reaktion des Kindes wird der Zeitraum, in dem das Kind alleine im Kindergarten bleibt, ausgedehnt. Unser Ziel ist es, dass sich das Kind sicher fühlt und von uns trösten lässt.

Zur Erleichterung des sozialen Anschlusses übernehmen ältere Kinder Patenschaften über die Neuankömmlinge. Ein gemeinsames Foto dokumentiert die Wertschätzung der Großen für die jüngeren Kinder.

Kuscheltiere: Ein Kuschel- oder Schmusetier, egal in welcher Form erleichtert jedem Kind den Abschied und die Trennung von seinen Bezugspersonen. Er wirkt wie ein verlängerter Arm nach Hause und kann ein Kind ungemein beruhigen. Im Aufnahmegespräch nehmen wir uns Zeit, die Gewohnheiten des Kindes mit den Eltern zu besprechen, denn sie sind die Experten für ihr Kind.

Elterncafé: Es ist zu einer netten Tradition geworden, dass der Elternbeirat in der Phase der Eingewöhnung ins Elterncafé einlädt. So können Kontakte zu anderen Eltern aufgebaut oder Erfahrungen ausgetauscht werden.

Sauberkeitsentwicklung: Das Sauberwerden ist ein Entwicklungsprozess und von Kind zu Kind verschieden, daher ist das "Saubersein" keine Voraussetzung für die Aufnahme in unseren Kindergarten. Ziel ist, dass die Kinder den Toilettengang mit positiven Gefühlen assozieren, denn sobald Kinder Druck und Verunsicherung durch Bezugspersonen erfahren, hemmt dies seine postive Weiterentwicklung. Um sauber zu werden muss das Kind erst einmal Interesse an seinen Körperausscheidungen gewinnen. Erfolgreiches Sauberwerden ist meist mit einem Selbstbewusstseinsschub des Kindes verknüpft, der sich auch auf andere Bereiche wie allein anziehen und selbstständiges Zähneputzen auswirken kann. Wir begleiten die Kinder behutsam und einfühlsam auch in diesem Prozess. Ein Beutel mit Wechselwäsche sollte immer am Platz des Kindes hängen.

Eingewöhnungsgespräch: Nach ungefähr sechs Wochen laden wir alle Eltern zu einem persönlichen Gespräch ein. Eltern erfahren von uns, was und mit wem das Kind spielt, wie es sich in bestimmten Situationen verhält, welche Vorlieben und Interessen zu erkennen sind. Uns interessiert, wie sich das Kind nach Kindergarteneintritt zu Hause entwickelt und äußert, ob die Eltern zufrieden mit der Eingwöhnung Ihres Kindes sind und ob es Wünsche oder Anliegen gibt.